Du Herbert. Ein Einblick in die Grausamkeit (UA)


von Lydia Haider, Judith Goetz, Martina Weitgasser



Premiere im März 2023 am Schauspielhaus Wien



Besetzung: Vera von Gunten, Clara Liepsch
Autorin: Judith Goetz, Lydia Haider, Marina Weitgasser
Regie: Antje Schupp
Raum: Antje Schupp, Christoph Rufer
Musik: Martin Gantenbein
Dramaturgie: Andreas Fleck




Männliche Gewalt ist allgegenwärtig. Ob in Beziehungen, im Berufsleben, an öffentlichen Orten oder in dunklen Ecken: Es sind in der Regel Männer, die zerstören, verletzen, rauben, morden, über andere herfallen, Macht und Kontrolle ausüben und ihre langsam bröckelnde Vorherrschaft um jeden Willen verteidigen wollen. Sie stellen somit eine Bedrohung für sich selbst und ihre Umwelt dar, glauben sich dennoch stets im Recht und als Maßstab aller Dinge. So sind die toxischen Verhaltensweisen letztlich Beweis dafür, dass bestimmte Männer nie gelernt haben, mit Konflikten, Streit und Abweisung konstruktiv umzugehen sowie die mit männlicher Sozialisation verbundenen Privilegien einer kritischen Reflexion zu unterziehen.

2020 hat das Autorinnen-Team Judith Goetz, Lydia Haider und Marina Weitgasser ein Jahr lang 450 Screenshots der orf.at Startseite (Chronik Österreich) gesammelt, um zu dokumentieren, in welcher Fülle und Rasanz die unterschiedlichsten Taten von Männern begangen werden. Sie liefern die Grundlage für eine vielschichtige Auseinandersetzung, die sich aus dokumentarischen, literarischen wie auch wissenschaftlichen Elementen speist und ein hybrides Textformat entstehen lasst. Es wird deutlich: Die Auswirkungen des Patriarchats sind keine Minute langer erträglich.

Im Protagonisten Herbert verdichten sich die vielfaltigen Männlichkeiten sowie auch Gewalttaten. Er löst die Ignoranz wie auch Abgestumpftheit über die täglichen Berichte auf und liefert Innenansichten, ohne jedoch nach Legitimationen oder Verständnis zu suchen.

Die Regisseurin Antje Schupp greift auf Lydia Haiders literarischen Text DU HERBERT zu und entwickelt eine Performance für zwei Schauspielerinnen im öffentlichen Raum. An einem der zentralsten Platze Wiens macht das künstlerische Team diesen eklatanten und grausamen Aspekt österreichischer Zeitgenossenschaft, dessen Blutspur sich hinter den Schlagzeilen versteckt, für alle sichtbar. Wie kommt es, dass diese Taten in ihrer Masse überhaupt stattfinden können? Wann werden wir Zeug:innen und wann gönnen wir uns den Luxus wegzusehen, wenn Gewalt passiert?